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Online-Schulungen? „Die Berührungsängste sind schnell verflogen!“

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Eine herausfordernde Zeit und ein außergewöhnlicher Mann an einem Ort, der den Übergang vom Diesseits in Jenseits begleitet: In einem ganz besonderen Gespräch gibt uns Lars Andersen, Pflegedienstleitung des Hospiz St. Christophorus in Mönchengladbach, einen Einblick in den palliativen Pflegealltag. Denn auch Herr Andersen und sein Team werden täglich von unserer Software für stationäre Pflegeeinrichtungen begleitet und unterstützt. Ein fester Bestandteil dieser Unterstützung sind regelmäßige Online-Schulungen, die MediFox anlässlich der Corona-Pandemie und den damit einhergehenden Einschränkungen eingerichtet hat – wie Herr Andersen und sein Team die Online-Schulungen erleben, erfahren Sie in diesem Interview.

Herr Andersen, Sie arbeiten an einem Ort, wo Sie Lebende auf den Tod vorbereiten – warum haben Sie sich für diesen Beruf entschieden?

Es begann alles mit meiner Mutter – sie hat das Hospiz mitgegründet, wodurch ich bereits in meinen Kindertagen Berührungspunkte mit der Pflege hatte. Damals hatte ich jedoch andere Pläne und wollte beruflich in die IT einsteigen. Gut gedacht und doch anders gemacht: Im Rahmen des Zivildienstes habe ich nämlich gemerkt, dass hinter dem Wort Pflege mehr als körperliche Pflege steht. Es geht um den Menschen und der ist mehr als eine Hülle. Jemanden die Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, die er verdient hat – das ist für mich bedeutend. Pflege ist einfach keine Fließbandarbeit, es geht um Menschen, Gefühle und Geschichten.

„Pflege ist einfach keine Fließbandarbeit, es geht um Menschen, Gefühle und Geschichten.“ Das klingt interessant. Wie können wir uns die zwischenmenschliche Beziehung vorstellen?

Das Letzte, was ich während eines Patientenkontaktes im Hinterkopf haben darf, sind andere PatientInnen. Es geht darum, den Moment zu schaffen und da zu sein. Das ist genau das, was Pflege menschlich macht. Denn nur so kann ich eine gewisse Nähe zulassen und professionelle Distanz wahren.

Es ist sicherlich schwer, Beziehungen zu Sterbenden aufbauen zu wollen. Ist der Wechsel zwischen Nähe und Distanz eine Art Selbstschutz?

Ich denke schon. Es ist aber auch eine Notwendigkeit, denn jeder hat es verdient respektiert und geachtet zu werden. Wir hatten letztes Jahr eine Verweildauer von 23,5 Tagen pro PatientIn, wobei dies auch immer sehr wechselhaft ist. So haben wir PatientInnen, die sehr stabil sind und lange bei uns bleiben. Und dann gibt es jene, die nur einige Tage in unserem Haus sind. Jeder von uns hat seine eigene und je nach Charakter bestimmte Vorgehensweise des Selbstschutzes und das ist auch in Ordnung. Es gibt keine klare Regel oder Vorgehensweise, das muss jeder für sich entscheiden. Hierunter darf der Patient oder die Patientin aber niemals leiden.

Das Wohl der PatientInnen steht an erster Stelle – besonders, wenn wir uns die gegenwärtige Situation vor Augen führen. Wie gehen Sie in Ihrer Einrichtung mit der aktuellen Situation um und wie würden Sie die Reaktion Ihrer PatientInnen beschreiben?

Es haben nur einige PatientInnen hierauf reagiert. Das ist davon anhängig, wie die Patienten kognitiv eingeschränkt sind oder waren. Manche haben es natürlich mitbekommen, allein durch die Tatsache, dass die Besucherzahl geringer ist und die Angerhörigen ebenfalls mit Mundschutz ins Zimmer kamen und kommen. Manche haben das auch teilweise hinterfragt, aber wenn man sich dann die Zeit für eine Erklärung genommen hat und nimmt, haben diese das relativ schnell als Tatsache akzeptiert. Auch bei unseren MitarbeiterInnen war das Verhalten unterschiedlich. Viele waren anfangs unsicher und haben zahlreiche Fragen gestellt: Was können wir machen? Was müssen wir machen? Was für Sicherheitsmaßnahmen gibt es? Dadurch, dass das Virus nicht greifbar ist und wir es nicht sehen können, ist da natürlich Gesprächsbedarf vorhanden. So fragen auch viele regelmäßig nach neuen Änderungen.

Stichwort Social Distancing: Wie wichtig sind Ihnen Digitalisierungsmaßnahmen in der Pflege?

Wichtig. Vor allem wenn ich an unsere MitarbeiterInnen denke. Diesen fällt die Organisations- und Kommunikationsstruktur dank MediFox einfacher. So kann jeder kurzfristig Informationen abrufen, da diese digital hinterlegt sind. Auch ich nutze die Software gern, um MitarbeiterInnen individuell anzuschreiben und Fragen zu stellen oder diese zu beantworten. So gelingt uns beispielsweise auch die Kommunikation mit den KollegInnen im Nachtdienst einwandfrei.

MediFox hat im Zuge der Einschränkungen durch das Coronavirus zusätzliche Online-Schulungen eingerichtet. Was war damals Ihr erster Gedanke zu diesem Angebot?

Persönlich war ich sehr gespannt, wie das verlaufen wird. Grundsätzlich war ich aber sehr positiv gestimmt, da ich mich mit „Computern“ auskenne und die Einleitung für die Online-Schulung nicht besonders aufwendig ist. Einige KollegInnen von uns waren zunächst unsicher, da ein „Video“ nicht das Gleiche ist wie eine Vorortschulung.

Das sind natürlich unterschiedliche Erwartungshaltungen. Ihre KollegInnen haben sich die Online-Schulung also eher wie ein Monologvideo vorgestellt, das keine Dialogsituation erlaubt?

Ja, genau. Hierbei ist auch zu beachten, dass die meisten zuvor einfach keine Erfahrung mit diesem Format gesammelt haben. Schnell wurde allen Beteiligten dann aber klar: Wir befinden uns auch während einer Online-Schulung im Dialog und dürfen Fragen stellen, die direkt beantwortet werden. Der Unterschied: Die KollegInnen von MediFox stehen nicht wie gewohnt vorne, sondern sind auf dem Bildschirm zu sehen. Die Berührungsängste sind da aber wirklich relativ schnell verflogen.

In welcher Größenordnung nehmen Sie an Online-Schulungen teil und wie ist die Resonanz im Vergleich zu Schulungen vor Ort?

In der Pflege sind wir insgesamt 14 MitarbeiterInnen, die in unterschiedlichen Schichten arbeiten und je nachdem nehmen mal mehr und mal weniger MitarbeiterInnen teil. Die Resonanz ist sehr positiv, da alle jedes Mal einige Inhalte für sich persönlich mitnehmen können. Für viele ist die Online-Schulung auch eine Möglichkeit sich einen Gesamteinblick in die Software zu ermöglichen. In kleineren Gruppen führe ich zudem Nachschulungen durch. Das ist normal und auch bei Vorortschulungen der Fall. Rein an den Nachfragen bewertet, ist die Anzahl der Fragen nach einer Online- und Vor-Ort-Schulung relativ gleich.

Herr Andersen, herzlichen Dank für Ihre Zeit und den Einblick in Ihren Alltag. Wir von MediFox freuen uns, ein Teil Ihrer besonderen Arbeit sein zu dürfen.


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