PflegeFaktisch mit Francesca

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Queer, kreativ und innovativ: Vielfalt und zukunftsweisende Konzepte in der ambulanten Pflege leben

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Seit einiger Zeit rückt das Thema „Diversität im Alter“ immer stärker in den Fokus der Öffentlichkeit. Im Rahmen der queeren Pflege etablieren sich immer mehr Konzepte für die pflegerische Versorgung von Angehörigen der LSBTIQ-Community, denn auch sie sollen eine Pflege erhalten, die ihren individuellen Wünschen und Bedürfnissen entspricht.

Trotz der hohen Relevanz des Themas wird die queere Pflege und die Geschichte der LSBTIQ – Bewegung in den Rahmenlehrplänen der Gesundheitsberufe bisher nur als Randthema behandelt. Im Pflegealltag können jedoch aus Unwissenheit Missverständnisse entstehen, die sich potenziell negativ auf die Pflegesituation auswirken, z.B. durch fehlende Kenntnis über die Erfahrungen und das Leben der zu pflegenden LSBTIQ-Person.

Joti Neuert, Geschäftsführer des ambulanten Pflegedienstes Pflege im Quadrat, erzählt mir in unserer gemeinsamen Podcast-Folge, wie queere Pflege gelebt und diese Vielfalt gezeigt wird.

„Vielfalt leben, Vielfalt zeigen!“ Das ist das Lebensmotto von Joti Neuert. Vor knapp 10 Jahren gründet er mit der Unterstützung seiner Eltern den ambulanten Pflegedienst Pflege im Quadrat in Mannheim. Was klein anfing, entwickelt sich im Laufe der Jahre zu etwas ganz Großem: Inzwischen gehören 3 Standorte zu dem Pflegedienst, der heute eine etablierte Institution in den Mannheimer Stadtteilen ist. Eindrucksvoll schildert Joti mir seinen eigenen Werdegang, sowie die Herausforderungen und Situationen, mit der er und seine Mitarbeitenden im täglichen Arbeitsumfeld konfrontiert werden.

Joti’s Lebensmotto „Vielfalt leben, Vielfalt zeigen!“ ist in allen Bereichen seiner Einrichtung präsent – sowohl bei den 180 Mitarbeitenden als auch in der Versorgung der zu Pflegenden. „Ich möchte, dass die Mitarbeitenden wissen, wo sie hier beschäftigt sind. (…) Ich will da von vornherein offen und ehrlich sein und das sollte sich auch jeder für sich aussuchen. Deshalb haben wir auch einen Verhaltenskodex, wo drin steht, dass wir jeden respektieren.“, erklärt Joti. „Bei uns arbeiten 21 Nationalitäten und wir machen auch einmal im Jahr einen Diversity-Tag, wo jeder etwas aus seinem Land mitbringt. Die interkulturelle Pflege steht dort im Vordergrund. Da beschäftigen wir uns sehr mit und ich finde es immer schön, wenn man den Menschen offen gegenübertreten kann.“

Im Zeichen der Vielfalt und der queeren Pflege hat Joti Neuert seinen Pflegedienst mit dem Qualitätssiegel Lebensort Vielfalt® auszeichnen lassen. Das Qualitätssiegel bestätigt, dass strukturelle, organisationspolitische und personelle Strukturen vorhanden sind, um sexuelle und geschlechtliche Minderheiten zu integrieren. Mit viel Arbeitskraft, aber auch viel Herzblut haben Joti und sein Team die notwendigen Voraussetzungen geschaffen und erfolgreich umgesetzt. Zu Recht ist Joti stolz auf die Auszeichnung.Die Mitarbeitenden sind geschult, die Dokumentation gendergerecht angepasst und ein umfassender Verhaltenskodex ist entstanden.

„Wir mussten Fortbildungen absolvieren, wo die Mitarbeitenden in Hinblick auf queere zu Pflegende sensibilisiert wurden. Das war auch sehr spannend für mich, weil ich mir trotz meiner Homosexualität nie Gedanken darüber gemacht habe. (…) Von einem Klienten habe ich zum Beispiel erst zwei Jahre später erfahren, dass er homosexuell ist und nicht mal mir hat er sich geöffnet.“, erzählt Joti. Umso wichtiger ist es für ihn, das Bewusstsein der Menschen für das Thema queere Pflege zu stärken – insbesondere im Gesundheitswesen, wo es den Menschen Joti zufolge auch so häufig schwer fällt, Hilfe anzunehmen.

Joti Neuert ist ein „Multitalent“. Er strotz vor Energie und Kreativität und steckt voller Überraschungen. „Zum Glück kann ich meine Kreativität ausleben und dies in Ideen umsetzen“, sagt Joti über sich selbst. So entstehen stetig neue und innovative Geschäftsfelder für seinen Pflegedienst, z.B. das neue Mobilitätskonzept für Mannheimer BewohnerInnen. Dieses Konzept sieht einen Hol- und Bringdienst für nicht medizinische Fahrten oder Ausflüge vor, z.B. wenn der Fahrstuhl ausfällt oder ein Geburtstag ansteht.

Ein weiteres, spannendes Projekt ist die „grüne Filiale“ in der Mannheimer Innenstadt. Hier betreibt der Pflegedienst seit Kurzem einen emissionsfreien und nachhaltigen Standort, der auf kurze Routen und Touren setzt, die entweder zu Fuß, mit dem E-Bike oder dem Elektroroller erledigt werden können. „Wir haben eine Photovoltaikanlage auf dem Dach und stellen aktuell unseren Fuhrpark mit e-Smarts auf. (…) Für uns sind die Elektrofahrzeuge super für die Kurzstrecken. (…) Wir haben jetzt auch solche E-Roller gekauft, wo man zu zweit drinsitzen kann und das ist super praktisch für kurze Strecken. Das ist ein Roller, den noch keiner gesehen hat und da ist noch nicht mal Werbung drauf. Da machen die Leute häufig Fotos von.“, berichtet Joti begeistert.

Du möchtest mehr über das innovative Konzept von Pflege im Quadrat erfahren und herausfinden, was ein großer schwedischer Möbelhersteller mit Joti’s Erfolgsgeschichte zu tun hat? Dann hört doch einfach mal rein!

In diesem Sinne - einfach Podcast hören! Ich freu mich auf Euch.

Eure Francesca

 

 


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