PflegeFaktisch mit Francesca

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Lindera – eine App erkennt das individuelle Sturzrisiko: Im Gespräch mit Diana Heinrichs

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Das Dauerthema der Pflege? Über Stürze und die individuelle Sturzprävention spreche ich mit Diana Heinrichs, Gründerin und Geschäftsführerin von Lindera. Gemeinsam mit ihrem Team verfolgt sie ein Ziel: Dank KI-gestützter Mobilitätsanalyse wird das persönliche Sturzrisiko bewertet und durch darauf basierenden Maßnahmen minimiert bzw. vorgebeugt.

Mit MediFox als Kooperationspartner scheint die Vision von Diana Heinrichs klar: Die digitale Zukunft der Pflege mitgestalten und am Puls der Zeit neue Lösungen entwickeln.

 

Das Gesicht hinter Lindera

Diana Heinrichs kennt sich aus, wenn es um Software geht: So arbeitete sie viele Jahre für einen der führenden amerikanischen Softwarehersteller. Familiär bedingt kommt auch sie mit den Herausforderungen und damit auch mit dem erhöhten Sturzrisiko von Pflegebedürftigen in Berührung: „Mit der Zeit wurde auch meiner Oma immer älter und ich fragte mich: Wieso klappt in meiner Familie die Pflege, wenn doch Millionen Andere Probleme haben?“. Aus dieser Motivation heraus widmete sie sich dem Thema der Sturzprävention und suchte nach einer modernen Technologie für die Pflege, die genau an diesem Schmerzpunkt ansetzt. „Ich wollte Innovation nach Deutschland bringen!“ – Gesagt, getan. Kurzerhand ließ sie sich von ihrem eigentlichen Beruf freistellen und hospitierte in einem ambulanten Pflegedienst und absolvierte ein Praktikum in einer stationären Pflegeeinrichtung.

Wie funktioniert die digitale Sturzprävention?

„Die Lösung war für mich klar: Man muss das Gangbild analysieren und dazu Fragen gemäß Expertenstandards beantworten. Doch alle Mathematiker, die ich zu Rate zog, sagten mir, man kann die Bewegung des Menschen in 3D nicht mit einem einfachen Handy aufnehmen. Dafür braucht man Mehrfachkameras.“ Diana Heinrichs formulierte das mathematische Problem und ging es aktiv mit einem Doktoranden an, aus dem sich später das Data Science Team von Lindera bildete: Die pflegebedürftige Person wird während des Gehens per Video aufgenommen. Dafür muss sie lediglich vom Stuhl aufstehen, ein paar Schritte laufen und sich anschließend wieder hinsetzen. Dabei können Hilfsmittel, wie ein Rollator oder ein Gehstock, ohne Probleme genutzt werden. Wichtige, zu berücksichtigende, Aspekte wie Medikation, Schwindel oder Demenz werden über den dazugehörigen Fragebogen in der Analyse berücksichtigt.

Die Sturzprävention in MediFox

Die Lindera SturzApp wird über eine Schnittstelle nahtlos in MediFox stationär integriert, die ganz einfach mit dem CarePad gestartet werden kann. MediFox und Lindera tauschen dabei alle relevanten Bewohnerdaten sowie Ergebnisse der Analyse automatisch miteinander aus. In der Integration in MediFox stationär werden so auch einzelne Fragen aus dem Fragebogen direkt aus der der Pflegedokumentation vorausgefüllt angeboten.

Wie künstliche Intelligenz auch Euren Pflegealltag entlastet

Das Wohlbefinden der BewohnerInnen steht an oberster Stelle – auch die körperliche Fitness spielt dabei natürlich eine große Rolle. „Wir analysieren das Video und berechnen die Schritthöhe und -länge, schauen ob das Gangbild symmetrisch ist, begutachten die Rumpfbeugung. So sehen wir, ob das Hilfsmittel das Richtige ist und ob es korrekt eingestellt ist und beschreiben anhand dieser Eckpunkte die Risikofaktoren: Funktion und Gangbild, Sturzangst, Sturzvorgeschichte, Medikation und Kognition“, so Heinrichs. Zu jedem erkannten Risikofaktor gibt es Empfehlungen zur Sturzreduktion, was gerade für stationäre Einrichtungen auch in Gruppeninterventionen überführt werden kann. Wenn also mehr als zwei oder drei BewohnerInnen Balancetraining benötigen, schlägt das System diese Maßnahme entsprechend vor. „Oftmals wird KI in der Pflege noch mit Skepsis begegnet, doch wir setzen mit ihr dort an, wo wir das Gangbild von 2D in 3D modellieren müssen, woraus wir erst individuelle Empfehlungen ableiten können, die am besten helfen, das Sturzrisiko zu reduzieren. Dabei pflegen wir gleichzeitig eine intelligente Datenbank, die mitlernt.“

Mit Lindera sparen wir so wertvolle Zeit und sind gleichzeitig „MDK-sicher“. Diana Heinrichs sagt: „Mit Fachkräften aus dem Qualitätsmanagement haben wir geschätzt, wie viel Zeit wir sparen können. BewohnerInnendaten werden direkt datenschutzkonform in die App geladen, Wohnformen werden z.B. vorbeantwortet: Im Vergleich zum analogen Prozess, der 45 Minuten dauerte, benötigen wir mit der App nur ca. acht Minuten.“

Die Rückmeldung fällt deutlich aus: „Statistisch gesehen können wir sagen, dass das Sturzrisiko teilweise um 20% gesenkt werden konnte. Natürlich im Zusammenhang mit dem Teamwork der Fachkräfte.“

Ihr wollt mehr über Lindera und die Kooperation mit MediFox erfahren? Dann hört jetzt gleich in die neuste Folge PflegeFaktisch rein. Auf unserem Blog findet Ihr außerdem noch ein Interview mit Diana Heinrichs. In diesem Sinne – einfach Podcast hören! Ich freue mich auf Euch.

Eure Francesca


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